Nach fast 24 Stunden Reise über Doha und Singapur bin ich schließlich in Jakarta eingetroffen. Der neue Tag in der Hauptstadt von Indonesien beginnt wie für die Jahreszeit üblich mit einem Monsunschauer. In diesem Moment kann ich über das Wort „Starkregen“, das sich die Wetterfrösche in Deutschland haben einfallen lassen, nur müde lächeln. Der Spurt zum Taxi reicht. Hose und Hemd kleben klatschnass am Körper, die Schuhe sind vollgelaufen. In weniger als einer Minute stehen die Straßen knöcheltief unter Wasser. Tapfer pflügen die Mopedfahrer in wahren Schwärmen hindurch, versuchen, sich notdürftig mit einem Plastikumhang zu schützen. Der Taxifahrer lacht, ich auch, denn immerhin herrschen draußen 25 Grad, das macht das Ganze halb so schlimm. Ich bitte ihn, die Klimaanlage eine Stufe runterzuschalten, damit ich keine Lungenentzündung bekomme.

Jakarta: Hochhäuser umzingeln traditionelle Straßenzüge

Bilder der Zerstörung, die um die Welt gingen: Banda Aceh nach dem Tsunami 2004 (Foto: CARE) Im Stopp-and-Go Verkehr geht es zum CARE Büro. Eine endlose Landschaft aus Stahl, Beton und Glas zieht am Autofenster vorbei. Langsam umzingeln die Bürotürme auch das letzte traditionelle Viertel mit den eng aneinander geschmiegten Häuschen mit roten Ziegeldächern, durch die sich schmale Gassen ziehen. Wie so häufig in Asien liegen alt und neu, Tradition und Moderne dicht bei einander, und es scheint sich niemand an dem Verdrängungswettbewerb all zu sehr zu stören. Jakarta hat offiziell 12 Millionen Einwohner, wie mir meine Kollegin Wiwik später verraten wird. Wie viele es wirklich, sind weiß niemand. Es können auch ein oder zwei Millionen mehr sein, meint sie augenzwinkernd. Die Hauptstadt des mit mehr als 200 Millionen Menschen größten moslemischen Staates der Welt gehört zu den aufstrebenden Megametropolen Asiens. Selbst in der Krise verzeichnet das Inselreich noch ein Wirtschaftswachstum von mehr als fünf Prozent, wie erst kürzlich bei der Eröffnung des Asien-Pazifik-Forums in Berlin zu erfahren war.

Besuch in Banda Aceh, fünf Jahre nach dem Tsunami

Erster Eindruck von Jakarta (Foto: CARE/Ernesti) Doch auch in Indonesien herrscht ein krasser Unterschied zwischen arm und reich, zwischen Stadt und Land. Noch immer leben 55 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Morgen werde ich mit der Kollegin nach Banda Aceh fliegen, der Stadt die zum Synonym wurde für die Tsunami-Katastrophe. Die Killerwelle verwandelte die Stadt in einen Ruinenfeld, dass unmittelbar Assoziationen mit Hiroshima oder ausradierten deutschen Städten aufkommen ließ.
Nur die Moschee in der Mitte Stadt blieb wie durch ein Wunder erhalten. Die Bilder dieser monströsen Zerstörung gingen um die Welt. Wie sieht es dort heute aus, fünf Jahre nach dem Tsunami? Um das herauszufinden, sind wir hier. Ich begleite einen Journalisten, der sich ein Bild von der Lage vor Ort machen will. Der Tsunami hat auch das Leben von Wiwik verändert, die für CARE Indonesien die Medienarbeit macht. Mehr als ein Jahr lebte sie vor Ort, um den Wiederaufbau und die Hilfe von CARE zu dokumentieren. Sie sagt: „So verrückt wie es klingt, aber der Tsunami hat für Banda Aceh das Tor aufgestoßen, und du wirst dich wundern, was sich alles verändert hat.“

Ende der Gewalt, eine Chance für den Neuanfang

Tatsächlich haben die Folgen des Tsunami in der Provinz Aceh zum Frieden beigetragen. Dort herrschte Bürgerkrieg zwischen der Separatistenorganisation GAM und der Regierung. „Es war furchtbar“, erinnert sich Wiwik, „jeden Tag wurden erschossene Menschen gefunden“. Doch über die Tragödie Tsunami fand eine Aussöhnung statt. Die GAM legte ihre Waffen nieder, die Soldaten zogen ab, Jakarta genehmigte der Provinz mehr Autonomie. „Eine ungekannte Freiheit für die Menschen. Und wir konnten eine Arbeit machen, die so vorher gar nicht möglich war“, erklärt mir Wiwik. Denn CARE konnte seinem integrierten und nachhaltigen Ansatz des Wiederaufbaus „Building for better“ folgen. So erhielten die Menschen auch in den ländlichen Gegenden um Banda Aceh herum nicht nur neue Häuser. Sie wurden zum Beispiel in verbesserten Anbaumethoden oder besserer Vermarktung ihrer Produkte geschult, um langfristig ihre Situation zu verbessern. Davon wollen wir uns morgen vor Ort gemeinsam überzeugen.

Fotos: Ernesti/CARE

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