Tag 4: Bildung für ein besseres Leben

Gut anderthalb Jahre nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti macht sich Pressereferentin Birte Steigert auf in den Karibikstaat, um die Projekte der Bündnispartner von Aktion Deutschland Hilft zu besuchen.

Von Darbonne aus geht es weiter nach Petit Goave, wo der ASB und auch Help ihre Hauptsitze in Haiti haben. Nicole und ich haben im Teamhaus vom ASB übernachtet und brechen früh auf in die Berge. Hier hat der ASB eine Übergangsschule gebaut, in der neben ganz normalen Fächern wie Mathe und Landesgeschichte auch das richtige Verhalten in einem Katastrophenfall, wie z.B. einem Erdbeben, unterrichtet wird.

haiti_berge Nach gut einer Stunde Fahrt über Stock und Stein, entlang von Steilhängen und Schluchten, erreichen wir das Schulgebäude: ein beeindruckender Holzbau mitten in den Bergen. Hier treffe ich den Schuldirektor Patrice Caixa. Er ist Priester und seit 7 Jahren hier in der Region tätig. 150 Schülerinnen und Schüler besuchen die Schule, auch schon vor dem Erdbeben. Kurz nach der Katastrophe ging der Unterricht weiter, in einem provisorisch geflickten Schulgebäude.

Die wiedererbaute Schule gibt ihm trotz der schrecklichen Katastrophe Hoffnung, erzählt Caixa, „und auch all den Kindern, die jetzt wieder ordentlich unterrichtet werden können“. Die schuldirektor Jungen und Mädchen kommen zu Fuß aus den verschiedensten Dörfern in den Bergen verstreut jeden Tag zum Unterricht. Einige von ihnen laufen bis zu 10 km am Tag. Die größte Herausforderung für den Betrieb der Schule ist aber das Geld, erfahre ich von dem Direktor. Denn nur wenn er die Lehrer auch regelmäßig bezahlen kann, dann kommen Sie auch den weiten Weg in die Schule. Es kommt nicht selten vor, dass ein unzufriedener Lehrer einfach wegbleibt.

Florian Meyer ist Länderdirektor des ASB in Haiti. Gemeinsam mit seinen Kollegen hat er Handwerkern und der interessierten Bevölkerung die Grundlagen katastrophensicheren Bauens vermittelt und zwei dieser Schulen für 450 Kinder der einfachen Bergbevölkerung gebaut. „Bildung ist die Basis jeder nachhaltigen Hilfe, die wir nach so einer Katastrophe wie in Haiti leisten müssen“ erzählt er mir, während wir in einem der Klassenzimmer Schutz asb_schule_tafel vor der mittlerweile glühenden Sonne suchen.

Die gesamte Inneneinrichtung, Schulbänke, Tafel usw., die hier herumstehen, hat auch der ASB in einer eigenen Werkstatt gebaut. Auch das ist ein Bildungsprojekt, denn die Handwerker sind alle Haitianer, die von Ausbildern des ASB geschult werden, um auch noch in den folgenden Jahren, wenn die Hilfsorganisationen nicht mehr im Land sind, die Werkstatt zu betreiben. Hilfe zur Selbsthilfe ist das Motto, das mir nun schon in allen Projekten begegnet ist, die ich bisher besucht habe.

Rückfahrt nach Port-au-Prince

Als wir gegen Nachmittag aus dem Projekt in den Bergen zurückkehren, drängt Nicky zur Eile, denn wir müssen unbedingt vor Einbruch der Dunkelheit die Gebiete Downtown Port au Prince passiert haben. Die Sicherheitslage in der Hauptstadt wird aufgrund der unsicheren politischen Situation jeden Tag schlechter. Straßenbarrikaden oder sogar Schießereien rund um den Präsidentenpalast stehen an der Tagesordnung. Ein bisschen angespannt steige ich also in unser Auto und jage mit Nicky über die Straßen. Eine kleine Verirrung im Gassenwirrwarr von Port au Prince lässt meinen Adrenalinspiegel ansteigen, aber mit dem letzten Sonnenstrahl erreichen wir dann doch gesund das Büro von Aktion Deutschland Hilft.

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