Gut anderthalb Jahre nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti macht sich Pressereferentin Birte Steigert auf in den Karibikstaat, um die Projekte der Bündnispartner von Aktion Deutschland Hilft zu besuchen.
Während der Norden vom Erdbeben weitgehend unbeschadet blieb, zeigt sich mir auf dem Weg zum Projektgebiet der Malteser in Darbonne, das wir heute besuchen, zum ersten Mal die Zerstörung, die das Erdbeben angerichtet hat. Auch anderthalb Jahre nach der Katastrophe sind Häuser zusammengestürzt als wären sie Spielzeugburgen. Aber die vielen Menschen auf der Straße haben den Schutt einfach in ihren Alltag eingebaut: Ich sehe eine junge Frau bepackt mit Körben und Taschen einfach über einen bestimmt zwei Meter hohen Berg mit Geröll hinwegklettern, der den Fußweg versperrt. Die Auswirkungen der Katastrophe sind hier wohl Normalität geworden, um sein Leben überhaupt weiterleben zu können.
Bei der Fahrt durch Downtown ist mir etwas mulmig – unser Fahrer Jonas aktiviert die Zentralverrieglung, denn gerade hat Nicole wieder eine Sicherheitswarnung bekommen, dass es hier regelmäßig zu brennenden Straßenbarrikaden oder gar Schusswechseln kommt. Die politische Situation im Land ist nach wie vor nicht stabil und hier im Zentrum um den Präsidentenpalast entlädt sich gerade in den letzten Wochen immer wieder der Frust der Menschen darüber.
In Darbonne auf dem Gelände von Malteser International treffen sich heute alle Vertreter der Bündnispartner von Aktion Deutschland Hilft, die Hilfsprojekte in Haiti durchführen. Diese Treffen finden einmal im Monat statt und sind
sehr beliebt, denn alle Mitarbeiter sind fremd in diesem Land und stehen mit ihren Projekten immer wieder mal vor neuen Herausforderungen.
Bei den Treffen von Aktion Deutschland Hilft kann man sich darüber austauschen und auch mal einen guten Rat bekommen. Ich sitze also mit allen Wahl-Haitianern in einem ausrangierten Zelt, bei 40 Grad und lausche gespannt den zum Teil traurigen, zum Teil kuriosen aber auch erfolgreichen Projektberichten – schon nach drei Tagen habe ich erkannt, dass ein Leben in Haiti nicht zu vergleichen ist mit meinem Leben in der Kölner Südstadt und wenn ich diese Geschichten höre, kann ich vor jedem Helfer in Haiti nur meinen Hut ziehen!
Im Anschluss an das Treffen lerne ich Florian Smitmans uns Ilda Clos kennen. Sie sind die Projektleiter von Malteser International in Haiti und führen mich über das große Projektgelände. Noch vor
einer Woche sah es hier ganz anders aus, erzählen mir die beiden, denn aufgrund der jüngsten Hurrikanwarnungen wurde alles was nicht niet- und nagelfest ist evakuiert, Patienten sowie medizinischen Ausrüstung in Lagerhallen nebeneinander aufgereiht. Aber der große Sturm blieb aus.
Kurz vor meiner Abreise bekam ich zudem die Informationen, dass für Haiti ein erneuter Ausbruch der Cholera befürchtet wurde. Aber die Hygieneschulungen und Aufklärungsarbeit der Malteser haben hier bereits Früchte getragen, denn eine weitere Seuche wurde verhindert. In der Cholera Station, die ich besuche, sind lediglich drei Patienten untergebracht, wo in der Höchstphase der Epidemie im vergangenen Jahr täglich bis zu 30 Patienten Hilfe suchten.
Florian und Ilda
erzählen mir, dass ihre Arbeit im Allgemeinen sehr gut angenommen wird: Die Workshops zum Brunnenbau zum Beispiel sind immer gut besucht und die Nutzung der Wasserstation mit sauberem Trink- und Nutzwasser konnte um einiges vervielfacht werden. Ich erkenne an diesem Tag, dass es diese kleinen Erfolgsgeschichten sind, die die Menschen auch nachhaltig in ein besseres Leben führen können.
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