Diese Woche ist eine besondere hier in Pakistan, im Land der Fluten. Sie wäre es auch ohne die Naturkatastrophe, aber jetzt hat sie eine ganz besondere „Note“.
Am 14. August ist Independence Day. In der Nacht zum 15. August 1947 wurde das Land von den britischen Kolonialherren in die Unabhängigkeit entlassen. Übrigens gleichzeitig… mit Indien. Zudem beginnt in dieser Woche der Fastenmonat Ramadan.Dass die Menschen hier auch unfreiwillig fasten, das zeigen die Bilder, die hier von morgens bis nachts über die Bildschirme gehen. Tausende von Hektar Ackerflächen sind überflutet. Das bedeutet, wenn nichts getan wird, vor allem eins: Hunger. Dieses Wort gibt es in diesem Land. Nicht wenige Menschen haben Angst davor. Der pakistanische Regierungschef Gilani sprach am Sonntag von einem „zweiten Monsun“, der dem Süden bevorstehe. Und genau dort ist die Kornkammer des Landes.
Auch positive Nachrichten
Ein Land mit über 180 Millionen Menschen steht in weiten Teilen vor dem Nichts. Dabei gehört es schon jetzt zu den sehr armen Ländern der Erde. Und vor allem im Fokus des Weltinteresses, wenn es um das Thema Terrorismus geht. Selten wird Positives berichtet aus Pakistan; dabei gäbe es mehr als eine gute Nachricht von hier. Besonders in diesen Tagen, wenn Nachbarn Nachbarn helfen und die, deren Haus noch steht, denen, die keins mehr haben. Oder wie die Jugendlichen eines Colleges, die durch die Innenstadt von Islamabad gehen und Spenden für die Flutopfer sammeln. „Es wird sicher nicht so viel werden,“ sagt mir einer, der mir den Pappkarton zeigt, in den das Geld geworfen wird. „Aber wir wollen wenigstens ein bisschen auch selbst tun und nicht nur warten, bis uns geholfen wird.“
Diese Hilfe ist bitter nötig, das wird von Tag zu Tag deutlicher. Dabei ist es oft mehr als schwierig. So haben Partnerorganisationen wie CARE Medizin und Mull für schwangere Frauen geliefert, die kurz vor der Entbindung standen. Der Weg zum Krankenhaus wäre nicht mehr zu schaffen gewesen. Nur mit der Hilfe von Maultieren und Eseln sind diese Frauen erreichbar gewesen. Die Brücken und Straßen dorthin sind für Fahrzeuge nicht mehr passierbar.
Teller, Gabeln, Geschirr – nichts ist mehr da
Behelfsmäßig auch die Lieferungen von Küchenutensilien, Pflastern, Tellern, Löffeln und allerlei anderem Küchengeschirr. Nichts ist mehr übrig geblieben aus dem Haus, das von den Fluten einfach weggerissen worden ist. Aber immerhin sind diese Dinge jetzt da. Außerdem Zelte, die benötigen die Menschen auch. Es hört ja einfach nicht auf zu regnen.
Bei der CARE-Hilfe stehen die Frauen mit ihren Kindern im Mittelpunkt. Mit einem knappen Dutzend LKWs fahren Mediziner und andere Helfer in die Gebiete, die sie erreichen können. Sie behandeln dringend Bedürftige. Gleichzeitig verschaffen sie sich einen weiteren Überblick, damit sie noch besser planen können.
Heute fahren Zahid aus unserem Länderbüro in Pakistan und ich nach Mardan im Nordwesten des Landes. Drei Tage werden wir weitere Hilfe koordinieren und – vor allem – planen. Ich werde mir ein Bild machen, um berichten zu können. Man sieht nur mit den eigenen Augen gut, könnte man sagen. Kein Fernsehbild und kein Bericht kann allerdings das Leid der Menschen wirklich wiedergeben, nicht das beschrieben, was sie zurzeit durchleiden müssen.
Ich weiß, ich wiederhole mich. Dennoch muss ich es wiederholen: Was fehlt, nach wie vor, ist Geld. Es ist ganz einfach. Kommt nicht genug Geld zu Hilfsorganisationen wie CARE oder denen in der Aktion Deutschland hilft, kann nicht ausreichend geholfen werden. Ich halte den Gedanken kaum aus, dass es Menschen geben könnte, denen das Schicksal von 12 Millionen gleichgültig sein könnte, nur weil sie in Pakistan leben.
Notruf-Blog